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Roman Grill (Sportmarketingagentur acta 7) über seine aktive Zeit beim FC Bayern, Berufseinsteiger im Sport und die Förderung junger Talente.

 

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Roman Grill (Sportmarketingagentur acta 7) über seine aktive Zeit beim FC Bayern, Berufseinsteiger im Sport und die Förderung junger Talente.

Im Dezember 2006 wurde acta7 von Roman Grill gegründet. Als ehemaliger Fußballer und Ausbilder beim FC Bayern München verfügt er über einen langjährigen Erfahrungsschatz im Umgang mit Athleten. Durch die Arbeit mit Owen Hargreaves, Philipp Lahm, Piotr Trochowski und Steffen Hofmann hat er sich eine Vorgehensweise in der Beratung und Betreuung von hoch talentierten Spielern erarbeitet: Ausgangspunkt ist die Persönlichkeit des Spielers und seine fußballerische Begabung.

1. Was sind Ihre Tätigkeitsfelder bei acta 7? Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus?

Grill: Wir beraten und begleiten junge Athleten und unsere Aufgabe ist es, dass wir uns täglich Gedanken über diese Athleten machen. Das bedeutet eine regelmäßige Auseinandersetzung mit ihrer individuellen sportlichen Entwicklung und ihrem Entwicklungspotenzial. Es um ein Beratung und Unterstützung im Sport, aber auch im wirtschaftlichen und privaten Bereich. Wir verstehen unsere Agentur als einen Ort, an dem die jungen Athleten Ansprechpartner und Experten finden, die die Herausforderungen des professionellen Sports im Detail kennen und ihnen helfen können die für sie richtigen Entscheidungen für eine erfolgreiche Karriere zu treffen.

2.Welchen Karriereweg haben Sie gewählt, welche Weichen haben Sie hin zu Ihrer aktuellen Tätigkeit gestellt?

Grill: Nach dem Abitur habe ich angefangen zu studieren. Ohne wirkliches Interesse. Ich war mit Leib und Seele Sportler. Wenn man wie ich in den Bergen aufwächst, macht man meist mehrere Sportarten, häufig Fußball und Skifahren. Bis zu einem Alter von ungefähr 14 Jahren ist die Ausübung mehrere Sportarten auch leistungsfördernd. Dann sollte aber eine Spezialisierung stattfinden, wenn man es bis an die Spitze schaffen will. Das hat bei mir nicht stattgefunden. Ich bin nach meinem Schulabschluss mehr oder weniger gedankenlos von einem ins nächste Studium gegangen. Kunststofftechnik, Elektrotechnik, Architektur… Um dann aber festzustellen, dass nichts dabei war, was mich wirklich interessierte. Dadurch habe ich mich entschlossen, es noch einmal im Sport zu versuchen und das Fußballtraining zu intensivieren. Es ist mir dann auch gelungen zum FC Bayern zu kommen. Dort habe ich 10 Jahre für die zweite Mannschaft und ein Spiel sogar bei den Profis gespielt.

3. Wie entstand die Geschäftsidee zu Ihrem Unternehmen?

Grill: Während der aktiven Zeit beim FC Bayern München habe ich mich für Journalismus interessiert und auch entsprechende Kurse belegt. Letztendlich habe ich diese Richtung aber nicht weiter verfolgt, da ich durch den Fußball und eine parallele Trainerausbildung nicht genug Zeit hatte auch noch die journalistische Ausbildung zu intensivieren. Aus der Trainertätigkeit heraus hat sich 2005 dann die Beratertätigkeit entwickelt. Spieler aus der damaligen A-Jugend, namentlich Piotr Trochowski, Steffen Hofmann, Owen Hargreaves und Philipp Lahm haben mich gefragt, ob ich nicht die Tätigkeit des Beraters für sie übernehmen wolle. Auf Grund von natürlichen Interessenskonflikten musste ich eine Entscheidung zwischen meinem Traineramt, der zeitweisen Arbeit für die Pressestelle des Vereins und meiner begonnenen Tätigkeit als Berater treffen und habe mich 2006 selbstständig gemacht und die Agentur acta 7 gegründet.

4. Wie entstand dann der Name acta 7?

Grill: Wir haben uns die Frage gestellt: Was wollen wir tun?-. Wir wollen hochtalentierte junge Menschen begleiten ihr persönliches Karriereziel zu erreichen. Acta 7 ist ein Akronym: ”agents and consultants for top athletes”, 7 Tage die Woche.

5. In welchen Positionen beschäftigen Sie Mitarbeiter, bzw. welche Möglichkeiten gibt es noch bei Ihnen zu arbeiten?

Grill: Das Kern-Team besteht derzeit inklusive mir aus fünf Personen. Wir haben einen Büroleiter, der sämtliche organisatorischen Abläufe koordiniert, eine Mitarbeiterin, die ausgebildete Dolmetscherin ist sich um die internationale Korrespondenz kümmert und die Buchhaltung für die Agentur – Mitarbeiter sowie Athleten macht. Hinzu kommt ein Verantwortlicher im Marketing, der jahrelange Erfahrungen in der Branche mitbringt und sämtliche Marketingaktivitäten und die Sponsorenakquise und- betreuung für unsere Athleten verantwortet sowie eine weitere Mitarbeiterin, die für den Bereich der Medien und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Darüber hinaus arbeiten wir mit vielen Experten eng zusammen, welche die Themen Scouting, Mentalcoaching, Krafttraining, Versicherungen, Rechtsfragen, Geldanlagen usw. abdecken.

6. Wie schwer ist es Ihrer Meinung nach für Berufseinsteiger in der Sportbranche Fuß zu fassen? Wie ist es im Sportsponsoring?

Grill: Es ist relativ schwierig, da es ein beliebtes Feld ist. Sehr viele Berufseinsteiger hegen den Wunsch hier zu arbeiten, so dass große Konkurrenz herrscht. Es ist aber nicht unmöglich. Heutzutage geht es sehr viel um Werbung und Außendarstellung. Entsprechend groß ist der Bedarf an Experten, welche die Organisation und Vermarktung übernehmen können, sodass sich der Athlet weiterhin auf seinen Sport konzentrieren kann. Allerdings gibt es natürlich gerade im Fußball einen sehr kleinen Markt, da hauptsächlich die erste Bundesliga interessant ist.

7. Welche Herausforderungen stellen sich Profisportler im Bezug auf den Arbeitsmarkt?

Grill: Man muss sich vor Augen halten, dass das Streben nach einer professionellen Sportkarriere sehr risikoreich und die Zeit, in der man mit dem Sport Geld verdient, stark begrenzt ist. Hinzu kommt, dass ein Spitzengehalt von mehreren Faktoren bestimmt wird. Voraussetzung sind nicht nur ein ausgezeichnetes Talent, sondern auch die richtige Persönlichkeit und immer auch ein wenig Glück. Es ist deshalb besonders wichtig, die eigene Situation realistisch zu sehen und einen genauen Überblick über Möglichkeiten auch nach der aktiven Zeit zu haben. In diesem Punkt kann man weder Verein noch Beratern eine soziale Verantwortung zuschreiben, da Zeitverträge und der Austausch von Spielern allseits bekannt und gang und gäbe sind. Das Bewusstsein dafür zu schaffen und eine Auseinandersetzung damit anzustoßen, sehen wir als einen wichtigen Bestandteil in der Zusammenarbeit mit unseren Athleten an.

 8. Inwiefern unterscheidet sich die Sportbranche/ der Arbeitsmarkt Sport von anderen Branchen?

Grill: Das kann ich explizit natürlich nur für meine Tätigkeit beurteilen. Ich finde es hoch attraktiv junge Athleten, die extrem talentiert sind, zu begleiten. Hier braucht man hochqualifizierte Leute, die auf anderen Gebieten ähnlich talentiert sind und als geeigneter Gesprächspartner dienen. Es ist sehr spannend sich in diesem Umfeld zu bewegen und Menschen mit einem solchen besonderen Talent zu begleiten. Ein großer Unterschied zu anderen Branchen, den ich auch sehr kritisch sehe, ist die Tatsache, dass unser Business sehr auf persönlichen Beziehungen basiert und Ämter häufig entsprechen vergeben werden. Hier muss sich erst noch durchsetzen, dass es die Kompetenzen sind, die Menschen für bestimmte Positionen und auch für Führungsaufgaben eignen. Leider ist die Sportbranche, insbesondere der Spitzenfußball, aber aktuell noch sehr eng und viele Entscheidungsträger haben nur Zeitverträge.

 

 

Über den Autor

Alexandra Willenberg

Zuständig für PR, Kommunikation und Online-Marketing, versorge ich euch mit Informationen rund um die Themen Sport und Karriere. Hier im Blog, im Newsletter oder bei Facebook, Twitter und Co. Ich liebe Sport und fast alles was damit zu tun hat.

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