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“Traumjobs im Sport oft nicht realistisch ” Prof. Dr. Frank Daumann im Interview

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Prof. Dr. Frank Daumann (Sciamus-Sport und Management, Universität Jena) über die eigene Berufsfindung und den Arbeitsmarkt Sport

Prof. Dr. Frank Daumann ist Inhaber des Lehrstuhls für Sportökonomie und Gesundheitsökonomie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und als wissenschaftlicher Leiter für den MBA-Studiengang Sportmanagement verantwortlich. Er hat den MBA-Studiengang Sportmanagement maßgeblich mitgestaltet und ist Herausgeber der Fachzeitschrift SCIAMUS – Sport und Management.

1. Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus?

Daumann: Im Prinzip besteht mein Job aus drei großen Blöcken. Der eine ist Lehre, der zweite ist die Forschung und der dritte ist die Verwaltung. In der Lehre geht es darum, entsprechende Lehrveranstaltungen zu konzipieren und inhaltlich vorzubereiten, diese durchzuführen und schließlich die dazu gehörigen Prüfungsleistungen wie Klausuren oder mündliche Prüfungen abzunehmen. In der Forschung arbeiten wir an verschiedenen Projekten. Hier gibt es zum Beispiel ein Projekt „Sport und Stadt“, in dem untersucht wird, welche Auswirkungen der Sport auf eine Stadt hat. Außerdem gab es in der Vergangenheit beispielsweise Projekte, die sich mit dem Qualitätsmanagement in Sportverbänden oder staatlicher Förderung beschäftigt haben. Dann gibt es eben noch die Verwaltung. Ich bin Mitglied des Fakultäts- und Institutsrates, stellvertretender Institutsdirektor, Mitglied in verschiedenen Prüfungsausschüssen und zwei Berufungskommissionen und führe zudem als wissenschaftlicher Leiter den Studiengang MBA Sportmanagement. Dadurch fallen immer wieder viele organisatorische Dinge, Verwaltungsaufgaben und Sitzungstermine an.

Für die Sciamus – Sport und Management, bei der ich maßgeblicher Herausgeber bin, bestimme ich gemeinsam mit einem Mitarbeiter die Grundlinie. Inhaltlich geht es vorrangig darum, ökonomische Theorien in der Praxis anzuwenden. Um das Niveau zu sichern, werden die Beiträge, die uns zugehen, von unabhängigen Gutachtern im Rahmen eines Doppeltblind-Verfahrens geprüft.

2. Welchen Karriereweg haben Sie gewählt, welche Weichen haben Sie hin zu Ihrer aktuellen Tätigkeit gestellt?

Daumann: Da ich mich sehr für Technik interessiere und zudem im Abitur Leistungskurse in Mathematik und Physik belegt habe, erschien es mir zunächst als eine gute Idee, Maschinenbau zu studieren. Die Idee habe ich allerdings wieder verworfen und angefangen, Betriebswirtschaftslehre mit der Aussicht auf die spätere Übernahme des väterlichen Unternehmens zu studieren. Bestärkt durch den Rat meiner Professoren und zwei gute Angebote habe ich nach Abschluss des Studiums promoviert und habilitiert. Anschließend ergab sich dann recht zügig die Möglichkeit, eine Professur zu bekommen. Insgesamt würde ich den Weg zum Professoren-Job aber als sehr risikoreich ansehen. Man sollte allerdings schon gut überlegen, bevor man einen solchen Karriereweg einschlägt, da man viel Zeit investiert und der spätere Job alles andere als sicher ist.

3. Wie finden sportbegeisterte junge Menschen am besten den Job, der zu Ihnen passt?

Daumann: Das kommt ganz darauf an, was genau man machen will. Ist man an Training, Bewegungslehre, Leistungssport oder auch Prävention interessiert, ist bestimmt ein sportwissenschaftlicher Studiengang am besten geeignet. Neben dem Studium sollte man jedoch stets Möglichkeiten zur Fortbildung wahrnehmen und einschlägige Praktika absolvieren. Ein Auslandssemester verbessert zudem nicht nur die Fremdsprachenkenntnisse, sondern zeigt einem zukünftigen Arbeitgeber, dass man selbständig und flexibel ist. Wenn Sie in den Sportmanagementbereich einsteigen möchten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ein Weg wäre es, den Bachelor in Sportwissenschaften zu machen und dann – eventuell über ein Praktikum – einen Job in der Branche zu bekommen. Darauf aufbauend empfiehlt sich  ein Master in Sportmanagement oder ein berufsbegleitender MBA-Studiengang in Sportmanagement, um die Karrierechancen zu verbessern. Ein zweiter Weg führt über einen Bachelor in BWL. Durch Praktika kann man sich dabei auf den Sportbereich fokussieren. Es gibt also verschiedene geeignete Möglichkeiten.

4. Was sind Pro- und Contra-Argumente für eine Tätigkeit in der Sportbranche?

Daumann: Die Sportbranche ist eine der spannendsten Branchen überhaupt. Sport ist eine Freizeit- und Unterhaltungsdienstleistung, die häufig am Wochenende stattfindet. Deshalb herrschen teilweise unkonventionelle Arbeitszeiten vor, die für freizeitorientierte Menschen gegen eine Beschäftigung im Sport sprechen können. Zudem sind einige “Traumjobs” oft nicht realistisch erreichbar. Managerpositionen, beispielsweise bei Bayern München, sind rar gesät. Auf die wenigen derartigen Stellen kommt natürlich zudem eine riesige Anzahl an Interessenten. Die ausschließliche Fokussierung auf klangvolle Namen kann zu Frustration führen.

Dennoch bietet der Sport hervorragende Möglichkeiten. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen oder eher unbekannte Vereine oder Verbände bieten sehr gute Perspektiven. Die Strukturen dort sind flach und es lässt sich noch vieles bewegen.

Ein weiteres Pro-Argument ist für viele, dass in der Sportbranche die Möglichkeit besteht, das eigene Hobby zum Beruf zu machen oder eine Beschäftigung sehr nahe am eigenen Hobby wahrzunehmen. Auch hat man im Sport häufig mit vielen interessanten, engagierten und jungen Menschen zu tun.

Neue Trends und Entwicklungen machen die Sportbranche grundsätzlich zu einem dynamischen und wachsenden Beschäftigungsfeld, das exzellente Zukunftsperspektiven bietet.

5. Was sind Ihrer Meinung nach außerdem die größten Fehler und am weitesten verbreiteten Irrglauben, wenn es um Karriere im Sportbusiness geht?

Daumann: Einer der größten Fehler ist, wie schon erwähnt, zu sehr auf einen bestimmten Wunscharbeitgeber fokussiert zu sein. Bei der Karriereplanung ist es wichtig, auch in Alternativen zu denken. Was passiert, wenn ich irgendetwas nicht erreiche? Was ist meine Rückfallposition? Sinnvoll ist es immer, sich Möglichkeiten offen zu halten und sich nicht zu früh zu stark zu spezialisieren.

 6. Wie unterscheidet sich die Sportbranche/der Arbeitsmarkt Sport von anderen Branchen?

Daumann: Die Sportbranche unterscheidet sich vor allem dadurch, dass in vielen Bereichen bisher wenig Professionalisierung Einzug gehalten hat. Der Fußball ist hier die Ausnahme. Auf einem gewissen Level kommt man sicher auch mit unprofessionellen Vorgehensweisen weiter. Man stößt allerdings auch recht schnell an Grenzen und darf nicht zu viel erwarten. Was man außerdem beobachten kann, ist die sehr starke Fokussierung der Branche auf den Fußball, wodurch Stellen und Einnahmen der anderen Sportarten weit unter dem Level des Fußballs liegen.

Bei Profisportlern ist immer wieder zu beobachten, dass sich diese kaum Gedanken um eine Beschäftigung nach der aktiven Karriere machen. Die Bereitschaft, die nach-sportliche Karriere vernünftig zu planen, ist aber besonders wichtig, da die sportliche Karriere oftmals abrupt enden kann.

Über den Autor

Alexandra Willenberg

Zuständig für PR, Kommunikation und Online-Marketing, versorge ich euch mit Informationen rund um die Themen Sport und Karriere. Hier im Blog, im Newsletter oder bei Facebook, Twitter und Co. Ich liebe Sport und fast alles was damit zu tun hat.

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