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„Es ist immer schwierig, wenn man nur eingleisig im Sportmarkt fährt.“ – Interview mit Patric Hoch, BIGinSports

Patrick_Hoch_Biginsports

Das Studium zum Dipl. Medienbetriebswirt, sowie ein Sportstudium an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf statten Patric Hoch mit den erforderlichen kaufmännischen und fachlichen Kompetenzen für BIGinSports aus. Zusätzlich dazu erlangte er während seiner Tätigkeit als Marketingleiter in verschiedenen Unternehmen und Vereinen, insbesondere als Sportmanager im Bereich Baseball Regional- und Softball Bundesliga, wertvolle Fertigkeiten im Bereich Sportmarketing und -management. Hoch war lange Zeit selbst aktiv im Handball, Basketball, American Football und Baseball.

Was sind Ihre Tätigkeitsfelder bei BIGinSports? Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus?

Wir sind eine Agentur für Sportmarketing und –Management. Das heißt, auf der einen Seite helfen wir Sportlern, Vereinen und Verbänden sich gut zu vermarkten, Sponsoren und Ähnliches zu finden und darüber hinaus versuchen wir Sportlern, Vereinen und Verbänden in ihren Management-Bereichen zu helfen (z.B. bei der Vereinsführung) und eventuelle Probleme aus dem Weg zu schaffen. Bei Einzelsportlern, primär Eishockey-Spielern, Basketballern und Motorsportlern geht es vorwiegend darum, diese Sportler in ihrer Karriere zu beraten. Im Prinzip sind wir also Spielervermittler, inklusive einer beratenden Tätigkeit. Zurzeit sind wir zwei Geschäftsführer. Demnächst kommt noch ein dritter hinzu. Außerdem beschäftigen wir fünf freie Mitarbeiter.

Lizenzen für die von uns gewählten Bereiche sind im Verhältnis einfach zu erwerben und preislich günstig. Das Problem beim Fußball war, dass zur damaligen Zeit, als wir unsere Lizenzen erworben haben, diese „Fußball-Lizenz“ in Bearbeitung war und deswegen nicht mehr gemacht werden konnte. Dies wird sich aber jetzt diesen Winter irgendwann ändern. Es gibt eine Zusage des DFB zum November. Diese Zusagen verzögern oder verschieben sich aber hin und wieder.

Einer der wichtigsten Faktoren unserer Arbeit ist, Vertrauen auszubauen und vor Ort zu sein. Man muss irgendwo zwischen „Geschäftsmensch“ und „selbst Sportler“ agieren. Vertrauen und ein guter Draht zueinander sind bei Sportlern und Vereinen extrem wichtig. Wir wollen den Sportlern nachhaltig helfen und investieren Arbeit und Zeit in deren Zukunft. Damit es ihnen auch nach Karriereende gut geht und sie bis zu Rente gut (über-)leben können. Für unsere Sportler sind wir 24 Stunden erreichbar. Da unterscheidet sich unser Feld wesentlich von (anderen) B2B und B2C Beziehungen.

Der Sportler ist eher hemdsärmelig und will im Prinzip einen besten Freund und Helfer, damit er sich auf seinen Sport und Trainingsalltag konzentrieren kann. Vereine wollen eher professionelle und geschäftsbedachte Partner.

BIG in Sports Sportbild

Welchen Karriereweg haben Sie gewählt, welche Weichen haben Sie hin zu Ihrer aktuellen Tätigkeit gestellt? Wie sind Sie zu BIGinSports gekommen?

Ich habe nach dem Abitur Zivildienst gemacht und dann Englisch, Politik und Sport an der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf auf Lehramt studiert. Da wurde mir irgendwann klar: damit kann man nicht viele Brötchen verdienen. Daraufhin habe ich dann Medienbetriebswissenschaften per Fernstudium studiert. Darin habe ich auch mein Diplom bzw. den Betriebswirt gemacht und einige Zeit in verschiedenen Agenturen in den Bereichen Werbung und Marketing gearbeitet. Stellenweise auch international. Irgendwann habe ich gedacht, ich muss mich selbstständig machen. Ein Kollege ist mit der Idee zu BIG in Sports auf mich zugekommen. Zuerst haben wir das von zu Hause aus, als Hobby bzw. Nebenjob gemacht und schon gespürt wie viel Potential darin steckt. Durch die wachsende Arbeit haben wir uns dann dazu entschlossen, das Ganze in Vollzeitz zu machen. Und alles was dazu gehört – die Lizenzen zu erwerben, und so weiter.

Unsere vorigen Erfahrungen im Sportmarketing und der Vereinsführung, sowie mein Sportstudium waren wegweisend. Kontakte, die durch frühere Geschäftsbeziehungen bestanden, ebenso. Die Sportlerberatung, mit den Lizenzen der Einzelsportler, hat von der Erfahrung als aktiver Sportler in höheren Ligen, in anderen Sportarten, profitiert. Die Probleme sind im Prinzip überall die Gleichen. Egal ob es ein Ball ist, ein Puck oder ein anderes Sportgerät. Insgesamt haben also die Faktoren Erfahrung, „learning-by-doing“ und etablierte Kontakte das Unternehmen auf den Weg gebracht.

Wie schwer ist es Ihrer Meinung nach für Berufseinsteiger, in der Sportbranche Fuß zu fassen? Wie ist es im Sportsponsoring?

Grundsätzlich ist es immer schwierig, wenn man nur eingleisig im Sportmarkt fährt. Wenn man nur an Fußball, nur an Tennis, oder wie auch immer, denkt, ist man sehr eingeschränkt und hat es womöglich schwer. Wenn man in eine Branche gezielt rein möchte, braucht man fast immer spezifische Kontakte. Wir sind zum Beispiel breiter aufgestellt, was den sportlichen Horizont angeht. Hierdurch ergeben sich viele interessante Querverbindungen relativ von selbst.

Durch die Verbindung zu den anderen Sportarten hat man einen breiteren Blick auf Probleme und kann auch über den Tellerrand hinaus schauen.

Quereinsteigen ist deshalb gar nicht verkehrt. Wir erleben das häufig bei Mitbewerbern, dass Menschen ihren spezifischen Bereich sehen, aber nichts außerhalb. Ganzheitliches Sehen ist oft schwer. Sich in den Themenbereich Sport einzuarbeiten ist tendenziell einfacher als soziale Kompetenz oder Marketing- und Managementkenntnisse aufzuholen. Wenn man einen Sportbereich kennt, ist es nicht so schwer, diesen auf unterschiedliche Sportarten zu adaptieren.

Was würden Sie jungen Menschen raten, die einen Job im Sport anstreben?

Also insgesamt läuft es schon anders, als ich bzw. wir uns vorgestellt hatten. Man sollte erst mal mit einem Praktikum herausfinden, ob der Bereich überhaupt der richtige für einen ist. Egal ob es Management, Marketing oder sonstiges ist. Wenn man sich etwas anderes unter einem Job vorstellt, kann das schnell zu Frustration führen.

Es gibt in unserem Job viele unterschiedliche Stressfaktoren. Wenn man beispielsweise einen Sportler hat, der gerne den Verein wechseln möchte und man viel herum telefoniert, irgendwie aber nicht voran kommt, der Sportler aber jeden Tag anruft und fragt „Kann ich jetzt wechseln?“, ist die Arbeit mitunter auch anstrengend und frustrierend. Mit solchen Dingen muss man lernen umzugehen.

BIG in Sports Grafik

Bei den Sportlern muss man häufig auch pädagogisch tätig sein. Ähnlich ist es bei Vereinen im Bereich Marketing. Manche Vereine, die jahrzehntelang die immer gleichen Strukturen hatten, müssen erst mal von einer Veränderung überzeugt werden. Da müssen manchmal „Modernitäten“ wie Social Media nahe gebracht werden. Als Basis erklärt man dann, warum neuartige Dinge oft nicht unwichtig sind und hört tendenziell immer wieder die gleichen Bedenken. Man darf sich also nicht entmutigen lassen. Das ist eine Sache, die man auf der Uni oder in der Ausbildung so nicht lernen kann und erst über die Praxis erfährt. Die Erfahrung haben wir hier auch mit Praktikanten gemacht.  Teilweise haben sie nach einer Woche schon gesagt „Das habe ich mir irgendwie anders und wesentlich einfacher vorgestellt.“ Nachdem sie das gelernt und eingesehen hatten, haben sie ihren Job sehr gern gemacht.

Ich würde jungen Menschen immer raten, Kontakte bzw. ein Netzwerk mit Menschen, mit gleichen Interessen und Betätigungsfeldern aufzubauen. Das ist sehr wichtig.

Welchen Herausforderungen stellen sich Arbeitnehmer im Bezug auf den Arbeitsmarkt? Was ist das Besondere an Ihrer Arbeit?

So etwas wie einen geregelten Arbeitstag oder Wochenendzeiten hat man nicht. Davon muss man sich leider verabschieden, weil in Deutschland die meisten Sportaktivitäten am Wochenende stattfinden. Eine gute Gelegenheit Sportler zu treffen. Trotzdem muss unter der Woche einiges gemacht werden. Sponsoren z.B. erreicht man nicht am Wochenende.  Dieses Wochenende bin ich zum Beispiel an zwei Abenden bei einem Eishockeyspiel. So muss man das außerberufliche Leben anpassen und etwas anders planen.

Wenn aber ein Mitarbeiter sagt „Ich hatte jetzt seit 6 Wochen kein Wochenende mehr, ich möchte mal etwas anderes erledigen und hätte gern zwei Tage frei.“, sind wir flexibel und stehen mit Sicherheit niemandem im Weg.

Inwiefern unterscheidet sich die Sportbranche/der Arbeitsmarkt Sport im Allgemeinen von anderen Branchen? Was sind Vor- und Nachteile?

Das „Du“ geht hier meist schneller als das „Sie“. Im dicken Auto vorfahren, mit Anzug und Krawatte, ist hier oft fehl am Platze. Sportlich, locker und trotzdem ordentlich trifft es meist besser. Da gibt es aber auch innerhalb der Branche Unterschiede. Je höher das sportliche Niveau des Vereins und die wirtschaftliche Kraft, umso mehr bewegt man sich auch in klassischeren wirtschaftlichen Strukturen. Bei der breiten Masse ist es aber so, dass man einen freundschaftlichen Ton pflegt.

In der Zusammenarbeit mit Sportlern ist es auffällig, dass man, wie schon erwähnt, viel im pädagogischen Bereich unterwegs ist. Sie sind natürlich fokussiert auf Ihren Sport und vieles drum herum wird vernachlässigt. Dadurch werden relativ normale Umweltprobleme schon mal zum Hindernis. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte keineswegs sagen, dass diese Sportler dumm sind, ganz im Gegenteil. Viele sind hochintelligent. Doch durch den Fokus auf den Sport ergeben sich die beschriebenen Probleme. Alltägliche Dinge wie Versicherungen oder Handyverträge etc. werden ausgeblendet. Sowie wir als „Normalos“ uns wohl noch nie intensiv mit energiezuführender Ernährung und Trainingsplänen auseinander gesetzt haben.

Vielen Dank (für das Gespräch).

BIGinSport Logo

Web: www.biginsports.de

Über den Autor

Alexandra Willenberg

Zuständig für PR, Kommunikation und Online-Marketing, versorge ich euch mit Informationen rund um die Themen Sport und Karriere. Hier im Blog, im Newsletter oder bei Facebook, Twitter und Co. Ich liebe Sport und fast alles was damit zu tun hat.

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