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Interview mit Tobias Wrzesinski (stellv. Geschäftsführer DFB Stiftungen Egidius Braun und Sepp Herberger)

TobiasWrzesinski

Tobias Wrzesinski ist Diplom-Betriebswirt (FH), MBA und stellvertretender Geschäftsführer der DFB-Stiftungen Sepp Herberger und Egidius Braun.

Die Arbeit der Sepp-Herberger-Stiftung gliedert sich in vier Schwerpunktbereiche: Resozialisierung von Strafgefangenen, Behindertenfußball, Schule und Vereine sowie das DFB-Sozialwerk. Die DFB-Stiftung Egidius Braun engagiert sich als Sozialstiftung des Deutschen Fußball-Bundes in Mexiko, Osteuropa und Afrika. Die Einrichtung führt zudem jedes Jahr Fußball-Ferien-Freizeiten durch, fördert paralympische Nachwuchssportler und erfüllt mit der A-Nationalmannschaft „Kinderträume“.

1. Was sind Ihre Tätigkeitsfelder in den Stiftungen? Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus?

Wrzesinski: Ich bin sowohl in der Sepp-Herberger-Stiftung, als auch in der DFB-Stiftung Egidius Braun als stellvertretender Geschäftsführer tätig. Zum einen betreue ich in beiden Stiftungen die Öffentlichkeitsarbeit. In der Sepp-Herberger-Stiftung vor allem auch unsere Projekte. Das heißt, in beiden Einrichtungen umfasst die Organisation nicht nur die reine Fördertätigkeit, sondern wir sind auch operativ mit eigenen Projekten und Initiativen engagiert. In der Sepp-Herberger-Stiftung insbesondere im Behindertenfußball und im Bereich der Resozialisierung. Hier gibt es zum Beispiel die Blindenfußball-Bundesliga und die Resozialisierungsinitiative „Anstoß für ein neues Leben“. Meine Aufgabe ist es, diese Maßnahmen zu koordinieren und umzusetzen. Zum anderen fallen Dinge im Büro an, wie die Haushaltsplanung, Gremienarbeit, die Betreuung der Webseiten und die Erstellung der Jahresberichte.

2. Welche Möglichkeiten gibt es noch in der Stiftung zu arbeiten?

Wrzesinski: Momentan sind wir in beiden Stiftungen personell gut aufgestellt. Wir haben nicht vor uns zu erweitern. Dies hängt unter anderem auch damit zusammen, dass wir viele Aufgaben im bewährten „Doppelpass“ mit den Kolleginnen und Kollegen der DFB-Zentralverwaltung in Frankfurt bewältigen.

3. Welchen Tipp würden Sie Menschen geben, die in Ihrer Arbeit Sport und Soziales verbinden möchten?

Wrzesinski: Zunächst ist es sicher so, dass der Bereich „Sport und Soziales“ oder auch CSR ein wachsender Bereich ist, im Sport insgesamt. Sicher auch im Fußball. Ich empfehle interessierten Bewerbern,  die Augen offen zu halten und auf den diversen Plattformen aktuelle Stellenangebote im Blick zu behalten. Für das Stiftungswesen im Fußball gibt es zum Beispiel eine eigene Website: fußball-stiftet-zukunft.de. Dort stellen sich die circa 35 Stiftungen vor, die es in diesem Bereich derzeit gibt. Da könnte ich mir gut vorstellen, dass dort künftig auch der ein oder andere Kollege eine offene Stelle erwähnen würde. Außerdem gab es gerade für junge Menschen in den Fußballorganisationen in der Vergangenheit schon Stellen im Bereich des Freiwilligen Sozialen Jahres, beispielsweise greift eine Reihe der 21 DFB-Landesverbände auf „BUFDIs“ zurück. Dies bieten wir selbst in der Stiftung jedoch nicht an.

4. Welche Möglichkeiten bieten Sie Inhaftierten im Strafvollzug im Zuge der Initiative “Anstoß für ein neues Leben”? Woraus setzt sich dieses Programm zusammen?

Wrzesinski: Die Initiative „Anstoß für ein neues Leben“ ist fokussiert auf den Jugendstrafvollzug und  untergliedert in drei Säulen. Die erste Säule ist die Säule „Fußball“. Hier bieten die Kolleginnen und Kollegen der jeweiligen Fußball-Landesverbände in den Haftanstalten Ausbildungsprogramme zum Schiedsrichter, Trainer oder Vereinsassistenten an. Diese Ausbildung kann komplett in der JVA durchlaufen und abgeschlossen werden. Dies schafft eine Perspektive für die Zeit nach der Inhaftierung in der „Fußballfamilie“, die über das reine Fußballspielen hinausgeht. Die Zugehörigkeit zu einer Mannschaft, einer Gruppe und dem Verein bietet den Jugendlichen neue Möglichkeiten Freunde zu finden, eine Aufgabe wahrzunehmen und den eigenen Lebensalltag zu strukturieren. Hier wird vor allem auch daran gearbeitet, dass Vorurteile abgebaut und die Jugendlichen letztendlich auch in einem Verein aufgenommen werden. All das lässt sich sicherlich auch unter dem Begriff der Integration zusammenfassen.

Die zweite Säule ist die Säule „Arbeit und Beruf“. Hier arbeiten wir eng mit der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Berufsberater der Arbeitsagentur gehen in die Haftanstalten, lernen die Jugendlichen kennen und führen gemeinsam mit ihnen eine Berufswegeplanung und Bewerbertrainings durch. Mit der Integration in den Arbeitsmarkt steht und fällt die Resozialisierung. Wenn die Jugendlichen nach der Entlassung keine Anstellung finden, liegt die Rückfallquote bei bis zu 80%. Hier sind wir sehr zuversichtlich mit der Arbeitsagentur den richtigen Partner an der Seite zu haben und ein klein wenig auf dem Weg zurück in die Gesellschaft beitragen zu können

Die dritte Säule ist die Säule „Soziales“. Hier durchlaufen die Jugendstrafgefangenen Angebote, die in der JVA üblicherweise angeboten werden. Dies können Anti-Gewalt-Maßnahmen, Drogen-Prävention oder Schuldnerberatung sein.

5. Wie groß ist die Chance für (ehemalige) Strafgefangene oder Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen eine Anstellung in der Branche zu bekommen? Glauben Sie die Sportbranche bietet Vorteile im Hinblick auf Offenheit und Toleranz?

Wrzesinski: Also zunächst denke ich, dass „Sportler“ offene Charaktere sind und ein Mensch, egal mit welchem Hintergrund, auch im Sport grundsätzlich seine Perspektive hat. Dies gilt natürlich auch für ehemalige Strafgefangene, aber insbesondere auch für Menschen mit Behinderung. Wir kennen einige Beispiele, wo Sportler mit Behinderung  – mindestens im Ehrenamt – in die Strukturen verschiedener Sportorganisationen gefunden haben.

 

Weblinks:

www.sepp-herberger.de

www.egidius-braun.de

 

 

 

 

Über den Autor

Alexandra Willenberg

Zuständig für PR, Kommunikation und Online-Marketing, versorge ich euch mit Informationen rund um die Themen Sport und Karriere. Hier im Blog, im Newsletter oder bei Facebook, Twitter und Co. Ich liebe Sport und fast alles was damit zu tun hat.

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